Durchhalten mit Ansage: Erfolgskomplizin Katja Tongucer

Porträt Katja Tongucer

Was macht eine Erfolgskomplizin? Noch dazu ausschließlich online, als Deutsche vom Bosporus aus? Ich traf Katja Tongucer auf Twitter und wurde sofort neugierig auf sie und ihre Challenges. In diesem „Zwischenmenschen“-Interview erfahrt ihr mehr über die Frau, die anderen beim Durchhalten hilft.

Katja Tongucer ist weit herumgekommen – in vielen Ländern und auch in der Berufswelt. Die diplomierte Übersetzerin hat sich immer wieder neu erfunden und als Sekretärin, Sprachtrainerin, Übersetzungskoordinatorin, Ghostwriterin, Social Media Beraterin, Contentproduzentin, Autorin und Herausgeberin von istanbul:er:leben gearbeitet. Ihre neueste, ziemlich geniale Erfindung ist die Erfolgskomplizin. Das Konzept: Per Chat motiviert Katja ihre Kunden, dranzubleiben im Kampf gegen den inneren Schweinehund, ganz gleich, ob in privaten oder berufliche Vorhaben.

Mich hat Katja im März zum Frühjahrsputz motiviert. Rein virtuell, versteht sich. (Zum realen Putzen motiviert man mich nicht so leicht.) Sie hatte im Netz zu einer Challenge aufgerufen, in der man seine Social-Media-Profile ausmisten und ordentlich durchlüften sollte. Und in einer Facebook-Gruppe davon berichten, wenn man wollte. Eine nützliche und auch ziemlich witzige Angelegenheit. Dass Katja zurzeit in Istanbul lebt, klang nur am Rande an, aber gerade diese Art, über Grenzen hinweg und dabei vertrauensvoll zusammenzuarbeiten, finde ich so spannend. Als Katja jetzt mit einer neuen Challenge auf mich zukam, in der es darum geht, die persönliche Komfortzone zu verlassen, war klar: Sie ist eine Kandidatin für meine neun neugierigen Fragen an Zwischenmenschen. Hier sind ihre Antworten.

1. Zwischen welchen Stühlen sitzt du?
Eigentlich kann man ja nur zwischen zwei Stühlen sitzen. Ich hüpfe allerdings eine ganz Stuhlreihe rauf und runter. Da ist der Spagat zwischen Beruf und Familie. Und dann leben wir ja im Ausland und da schlägt das Herz ganz oft auch für die Heimat. Immer wieder fragst du dich, ob es an den anderen Orten, an denen du mal gelebt hast, nicht besser war. Oder schlechter? Ich empfehle jedem, eine Zeit im Ausland zu verbringen, denn erst dann kann man verstehen, wie hart der Stuhl ist, auf dem Migranten und Flüchtlinge sitzen und wie bequem wir es doch haben. Außerdem zähle ich mich zu den sogenannten Scannern. Ich habe so viele Interessen, Ideen, Projekte, zwischen denen ich hin und her springe. Ich könnte mich für keine zu 100% entscheiden. Das würde mir die Lust daran sofort verderben. Die Vorstellung, auf unbestimmte Zeit auf einem Stuhl sitzenbleiben zu müssen – oder wollen – und nur da, verursacht mir Atemnot.

2. Wie erlebst du diese Position?
Ich finde, dass es einfach zum Leben dazugehört. Es gibt immer wieder Entscheidungen, die man treffen muss und bei denen man nicht sicher ist, auf welchem Stuhl es sich bequemer sitzen wird. Alles andere ist doch eine Illusion. Am besten ist es, man nimmt die Situation so, wie sie eben ist und macht das Beste draus. Sucht sich einen dritten Stuhl. Ich ruhe sehr in mir selbst, von daher empfinde ich solche Situationen eher beflügelnd als bedrückend.

3. Was hat dich in letzter Zeit “vom Stuhl gehauen”?
Seit ich den Schritt gewagt habe, mich als Online-Unternehmerin zu outen und zu sagen: Hier, das bin ich, das mache ich jetzt, habe ich sehr viele positive Rückmeldungen erhalten. Meine Challenges, die ich durchgeführt habe, sind gut angekommen und ich habe so viel schönes Feedback erhalten, das hat mich wirklich umgehauen.
Außerdem haben wir kürzlich beschlossen, dass wir im Sommer nach Deutschland zurückkehren werden. Das war eine sehr, sehr schwierige Entscheidung. Aber als sie einmal getroffen war, habe ich mich so unbändig darüber gefreut, dass ich von mir selbst sehr überrascht war.

4. Wo sitzt du zurzeit am liebsten?
Hier in Istanbul wird es gerade richtig frühlingshaft. Fast schon Sommer. Da sitze ich sehr, sehr gerne auf der Terrasse und genieße die Sonne. In der Stadt sitze ich am liebsten auf dem Dampfer zwischen Europa und Asien. Da ist Istanbul am schönsten. Finde ich.

Katja Tongucer auf der Fähre über den Bosporus

© Katja Tongucer, erfolgskomplizin.de

5. Was bedeuten dir Möbelstücke und Einrichtungsgegenstände?
Es gibt nur wenige Gegenstände, die mir wirklich etwas bedeuten. Nach gefühlten 100 Umzügen in den letzten Jahren weiß ich es zwar zu schätzen, vertraute Dinge um sich zu haben, aber wirklich wichtig ist mir eigentlich nur mein altes Lehrerpult, das mein Vater mir vor vielen Jahren geschenkt hat, nachdem er es von einigen Schichten Farbe und Lack befreit hatte. Es ist so ein altes Pult zum Aufklappen mit Gefäßen für Tinte und Federkeil. Der Holzwurm hatte es sich schon bequem darin gemacht. Aber den haben wir erfolgreich vertrieben. Das Pult hat mich von Kinderzimmer zu erster Wohnung und in drei verschiedene Länder begleitet. Und kehrt demnächst wieder an seinen Ursprungsort zurück. Verrückt. Oder?

6. Wer und wo warst du, als du halb so alt warst wie heute?

Katja Tongucer 1994 (Urlaubserinnerung)

© Katja Tongucer, erfolgskomplizin.de

Ohje. Ich war eine junge Studentin und habe das Leben genossen. Gerade hatte ich mein Kinderzimmer gegen ein Zimmer im Studentenwohnheim getauscht und vorsichtig meine Flügel ausprobiert, ohne meine Wurzeln zu sehr zu strapazieren. Das größte Ziel in meinem Leben war eigentlich nur der Uni-Abschluss. Was nach dem Diplom sein sollte, hatte ich überhaupt nicht auf dem Schirm. Ich habe sehr im Hier und Jetzt gelebt und im Grunde mache ich das heute auch noch so. Mehr verrate ich nicht. Dieses Nähkästchen wird nur ausgepackt, wenn Menschen, die damals dabei waren, mit in der Runde sitzen. Und dann wird vermutlich wieder gelacht bis die Tränen laufen.

7. Wo willst du in fünf Jahren sitzen?
Zum ersten Mal im Leben habe ich wirklich einen konkreten Plan für die nächsten Jahre. In fünf Jahren sind meine Kinder fast mit der Schule fertig. Sobald das Nest leer ist, möchte ich mit meinem Mann ein ortsunabhängiges Leben führen. Ein paar Wochen in dieser Stadt, ein oder zwei Monate zu Hause, dann die nächste längere Reise. Warum bis zur Rente warten? Wir hoffen, dass wir uns diesen Traum – wenn auch nicht schon in fünf Jahren – erfüllen können.

8. Welche drei Plätze im Netz suchst du gerne auf und warum?
Ganz klar meine Netzwerke. Der Citizencircle ist mir in den letzten Monaten sehr wichtig geworden und auch die wunderbaren Frauen vom Texttreff besuche ich regelmäßig und gerne. Und Facebook natürlich. Da versammelt sich mein Freundes- und Bekanntenkreis aus aller Herren Länder und meine Timeline ist mehrsprachig und herrlich bunt.

9. Zum Abschluss: Welche drei Hashtags beschreiben dich aktuell am besten?
#ideenreich + #bunt = #glück

Danke, liebe Katja! Wenn du wieder in Deutschland bist, müssen wir uns unbedingt persönlich kennen lernen.


© Katja Tongucer, erfolgskomplizin.de

© Katja Tongucer, erfolgskomplizin.de

Am 29. April 2016 startet Katja Tongucer mit einigen Partnern die neue, kostenlose Challenge #NOEXCUSES. Das Ziel: „In 21 Tagen lernst du dich besser kennen. Du findest heraus, an welchen Stellen deine Komfortzone dich einengt und in welchen Situationen du sie eher leicht verlassen kannst.“ Jeden zweiten Tag bekommen die Teilnehmer eine Aufgabe, die sie innerhalb von zwei Tagen lösen müssen. Laut den Machern sind die Aufgaben nicht gefährlich oder peinlich, aber doch so ausgerichtet, dass es ordentlich kribbelt in der Magengegend. Veränderung tut ja bekanntlich weh. Ich schau mir das auf jeden Fall mal an. Wer mag mich auf dieser Reise begleiten?

5 Kommentare

  1. Pingback: Schöne Texte von den anderenFadenvogel | Fadenvogel

  2. Pingback: Revue einer Online-challenge: 21 Tage aus der KomfortzoneFadenvogel | Fadenvogel

  3. Pingback: Abgehakt! Ein Monat im Challenge-Fieber | Zwischen zwei Stühlen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.