Der Traum vom Zeichnen: Bloggerin Sonja Graus

Sonja Graus mit sonnenbrille und Ringelshirt (digital gezeichnetes Selbstporträt)

Sonja Graus bloggt über Bücher und Sketchnotes. Im Brotjob macht sie etwas ganz anderes – jedenfalls noch. Aus ihren Social-Media-Posts habe ich herausgelesen, dass sie einige Veränderungen in ihrem Leben plant. Die perfekte Kandidatin für meine Zwischenmenschen-Interviewreihe!

Ich weiß gar nicht mehr, wo ich Sonja Graus zuerst begegnet bin. Vielleicht auf Instagram? Jedenfalls fielen mir ihre digitalen Doodles im Rahmen verschiedener Challenges auf und wir begannen, uns auszutauschen. In Sonjas pointierten Zeichnungen klingt ein feiner Humor mit und sie verraten immer auch ein bisschen über die Person dahinter. Diese Person lebt mit Familie und Hund am Niederrhein nahe der niederländischen Grenze. Zum Broterwerb geht sie einer nicht näher beschriebenen Bürotätigkeit nach. Darüber bloggt sie natürlich nicht, sondern über Bücher und ihre Lust zu lesen. Und auch Sonjas (noch junge) Liebe zum Zeichnen hat kürzlich eine eigene Plattform bekommen: den Sketchnotesblog – eine Art Tagebuch über Entstehung und Entwicklung einer großen Leidenschaft. Dort gibt es übrigens bis zum 24. August 2016 noch zwei richtig gute Sketchnotes-Bücher von Mike Rohde zu gewinnen. Aber jetzt erst einmal zu Sonjas Antworten auf meine neun neugierigen Fragen!

1. Zwischen welchen Stühlen sitzt du?
Beruflich sitze ich zwischen dem zwar sicheren und standfesten, dafür aber sehr unflexiblen Stuhl einer Angestellten und dem Stuhl, auf dem ich frei und kreativ arbeiten kann. Persönlich suche ich natürlich immer noch den Heiligen Gral von Stuhl, der ein harmonisches Sitzen im Gleichgewicht zwischen Familie, Beruf und meinen Herzens-Projekten ermöglicht: dem Zeichnen und dem Lesen und den damit verbundenen Blogs, die leider im Moment viel zu kurz kommen.

2. Wie erlebst du diese Position?
Grundsätzlich ist zwischen zwei oder mehreren Stühlen zu sitzen oft sehr anstrengend, aber auch sehr inspirierend. Auf jeden Fall empfinde ich es nicht als Zerrissenheit, eher das Gegenteil ist der Fall – gibt es einem doch die Möglichkeit, verschiedene Talente ausleben zu können. Eigentlich empfand ich es schon immer als nahezu absurd, sich (auch in jungen Jahren schon) auf ein Tätigkeitsfeld festlegen zu sollen. Als sei der Mensch nur für ein Ding gemacht. Was eine Verschwendung ;-).
Allerdings kommt es immer auch auf die Aufgabenbereiche an. Ich war zum Beispiel einige Jahre neben meinem „Brotjob“ noch selbständig mit einem kleinen Unternehmen, das mit meinem anderen Beruf gar keine Gemeinsamkeiten hatte und habe das wirklich mit Hingabe gemacht. Die Sache hatte allerdings einen Haken: In diesem Job musste man sich ständig weiter fortbilden. Das finde ich grundsätzlich nicht schlecht und habe auch das wirklich gerne in Kauf genommen. Aber es bedeutet auch: permanent neuen Input, der verarbeitet und angewendet werden will. Da stieß ich dann irgendwann an meine Grenzen, weil es nach einer gewissen Zeit unglaublich energieraubend wurde. Ich musste mich in zwei Jobs intensiv einbringen und mich in beiden ständig auf neue Dinge einstellen. Gedanken, Ideen und Inspirationen brauchen aber Raum, um sich entwickeln und reifen zu können. Und diesen Raum, diese Zeit hatte ich irgendwann nicht mehr. Das ist dann einer der Knotenpunkte im Leben, wo es an der Zeit ist, seine Vorstellungen neu zu überdenken, Prioritäten zu setzen vielleicht an einem neuen, anderen Konzept für die Zukunft zu arbeiten.

3. Was hat dich in letzter Zeit “vom Stuhl gehauen”?
In negativer Hinsicht haut mich vom Stuhl, dass ich eine ständig wachsende Vernachlässigung der Kommunikationskultur beobachte, sowohl im Netz als auch im Real Life. Die rasante politische Veränderung natürlich auch.

Aber positiv hat mich in letzter Zeit meine Entdeckung der Sketchnotes vom Stuhl gehauen. Ich bin im letzten Sommer eher zufällig darauf gestoßen – und habe damit für mich ganz schön was ins Rollen gebracht. Meine irgendwann „vergessene“ Affinität zum Zeichnen kam wieder an die Oberfläche – wunderbar verbunden mit der Möglichkeit, komplexe Sachverhalte aufs Wesentliche zusammenzustreichen und visualisiert darzustellen: Da eröffnen sich ja völlig neue Welten! Ach, was sag ich: ganze Universen! Das hat mich unglaublich begeistert. Und macht es immer noch.

4. Wo sitzt du zurzeit am liebsten?

Korbsessel am Wasser

© Sonja Graus

Ich war gerade im Urlaub und hatte einen Platz der Luxusklasse: einen kleinen Steg am Wasser. Jetzt zu Hause sitze ich sehr gerne in meinem Outdoor-Office. Oder im Liegestuhl.

5. Was bedeuten dir Möbelstücke und Einrichtungsgegenstände?
Gute Frage. Ich glaube, ich besitze gerade keines, dem ich einen besonderen ideellen Wert beimessen würde. Möbel oder Einrichtungsgegenstände müssen für mich in erster Linie ihre Funktion erfüllen, dabei freundlich aussehen und, ganz wichtig, sie müssen sich beim Funktionieren gut anfühlen (also kein Plastik oder Kunststoff, das hasse ich). Am liebsten also Holz, bei dem man die Maserung fühlt, Leder, Stoff. Ach, eins fällt mir dazu aber doch noch ein: Wir nutzen als Wohnzimmerschrank einen uralten Weichholzschrank. Er ist vollständig aus Holz gezimmert (oder nennt man das geschreinert?) und es findet sich kein einziger Nagel, nicht eine Schraube darin. Der komplette Schrank wird nach einem ebenso simplen wie durchdachten System ineinander gesteckt. Das ist etwas, was mich sehr fasziniert.

6. Wer und wo warst du, als du halb so alt warst wie heute?
Ich plante, eine Familie zu gründen. Was ich dann auch gemacht habe.

Sonja_Graus_Stuhl2

© Sonja Graus

7. Wo willst du in fünf Jahren sitzen?
Auf meinem eigenen Stuhl in meinem eigenen hellen Büro und ich will für mein eigenes kleines Unternehmen arbeiten. Wie das genau aussehen wird, weiß ich noch nicht genau – aber ich weiß, dass ich mit meinen Arbeiten anderen Menschen ein zufriedenes Lächeln ins Gesicht zeichnen will.

8. Welche drei Plätze im Netz suchst du gerne auf und warum?
Instagram – das finde ich sehr inspirierend und mir gefällt der nett-lockere Umgangston dort sehr (zumindest habe ich das bisher dort nur so kennen gelernt). 

Twitter – dort poste ich meine Beiträge zum #todaysdoodle, netzwerke und bekomme nebenher alles Wichtige aus der Welt mit.

 Facebook – das ist meine Art „Basis“-Plattform, mein Newsfeed. Von dort aus folge ich meinen Lieblingsblogs (bei denen ich dann intensiv stöbere), den für mich interessanten Menschen (mit deren Leben und Arbeiten dahinter) und kommuniziere mit Freunden und Bekannten. Im ersten Moment kann sich das sehr oberflächlich anhören, aber mittlerweile hat sich diese Art für mich als effektivste Methode bewährt, den Überblick zu behalten.

9. Zum Abschluss: Welche drei Hashtags beschreiben dich aktuell am besten?
#neugierig #umbruch #gibmirdenstift

Danke, liebe Sonja! Wenn ich demnächst mal am Niederrhein unterwegs bin, müssen wir uns unbedingt persönlich kennen lernen und ein bisschen was zusammen kritzeln.

 

4 Kommentare

    • Danke, Diana! Ich freue mich jedes Mal zu sehen, wie offen und wie unterschiedlich meine Interviewpartnerinnen (bislang waren es nur Frauen) die neun Fragen beantworten. Das macht einfach Spaß.

  1. Ein interessantes Interview. So viele Stühle-Fragen 😉 Ich finde es immer toll spezielle Fragen zu lesen in einem Interview – die geben dann auch nicht so 0815 Antworten. Danke für die Mittags-Unterhaltung =)
    Lg Debby

    • Liebe Debby, schön, dass ich (bzw. Sonja) deinen Mittag aufheitern konnte! 🙂 Bei dir habe ich doch gerade gestern auch ein schönes Interview gelesen… Ich freue mich auf mehr! LG Johanna

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