Zwischen den Zeilen: Gedanken zum Jahresende

Zwischen den Zeilen Sprechblasen und ein gewundener Pfad von 2016 nach 2017

Man sollte meinen, ein Schaltjahr lasse ein bisschen mehr Zeit. Zum Leben, zum Arbeiten, zum Bloggen. 2016 hat das nicht geklappt. Zum Jahresende rühre ich nochmal Buchstaben zusammen und serviere euch einen Gedankentütensuppenaufguss aus bunten Bildern.

Die Loopings des Zufalls

Spätestens nach der Sommerpause wechselte das Jahr 2016 in den Dauer-Schleudergang, scheint mir. Weltpolitisch sowieso, aber auch in meinem Mikrokosmos. Beruflich lief und ging es richtig rund und ich durfte nach Herzenslust kreativ sein, während sich im Privaten neben vielen schönen Begegnungen die traurigen Ereignisse häuften. Ungefähr seitdem habe ich hier auch nichts Ausführliches mehr geschrieben. Ganz weg war ich natürlich nicht, aber woanders, wo Kürze erwünscht ist: auf Instagram und manchmal auf Twitter. Spontan, eventuell zu einem vorgegebenen Stichwort, ein Bild oder ein Lettering hinwerfen, es mit einem kurzen Kommentar versehen, das passte viel besser in mein hektisches Jahr als epische Breite. Dass es schnell gehen musste, sieht man zum Teil an der Bildqualität. Aber egal: Aus den Konzentraten der letzten Wochen gibt es heute ein Jahresend-Süppchen mit Buchstabeneinlage.

 

 

Mund halten oder aufmachen, das ewige Dilemma

Habt ihr das auch erlebt in diesem Jahr, dass Leute, die ihr ewig kennt (und denen es wirklich an nichts fehlt), plötzlich geradezu zwanghaft über Migranten herziehen und unbegründet Ängste schüren? Dass es zu den immer gleichen Diskussionen kommt und man schließlich resigniert schweigen möchte? Populismus in meinem Bekanntenkreis, das macht mir wirklich Sorgen. Denn das ist ja nur die Spitze des Eisbergs. In meiner engeren Familie gibt es solche Ressentiments zum Glück nicht. Trotzdem fand ich in der SZ den Artikel „Mutter und die Fremden“ (kürzlich entdeckt via Krautreporter) lesenswert. Im Online-Kurs „Brücken bauen“ soll man Anfang 2017 lernen können, wie man solche Gespräche geschickt führt. Noch glaube ich an die Vernunft und das Gute im Menschen, auch wenn es zunehmend schwer fällt.

 

 

Zusammenstehen. Am Glühweinstand und im rauen Alltag.

2016 war in jeder Hinsicht ein wunderbares Netzwerkjahr. Ich bin zum Beispiel endlich dem besten beruflichen Netzwerk der Welt, dem Texttreff, beigetreten. Und habe ich mich in ganz vielen Communities rund ums Schreiben und Illustrieren getummelt – und sehr viel für den Job und meine kreative Freizeitgestaltung mitgenommen. Und dank dem Bremer Blogger-Stammtisch weiß ich endlich, dass der Ratskeller-Glühwein um Längen besser schmeckt als der mittelalterliche Beerenwein, den ich seit Jahren für das Nonplusultra hielt. Gwendolyns Grog erinnert daran.

Gesundheit garantiert! Buchstabe G der #letterattackchallenge #lettering #brushlettering #alliteration #nonsens

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Den Tag nutzen. Klären statt putzen.

Das Leben ist kostbar und möglicherweise kurz. Das weiß jedes Kind. Im Alltag geht das Bewusstsein dafür leider oft unter. Aber gerade wenn eigene Freunde (oder auch Idole, die einen seit der Teeniezeit begleitet haben), „jung“ sterben, möchte ich bewusster mit meiner eigenen Lebenszeit umgehen. Und meine Prioritäten neu setzen. Sich etwas vorzunehmen für die Zeit, „wenn die Kinder aus dem Haus sind…“, kann sich als fatale Fehlplanung erweisen. „Reisen statt Renovieren“ könnte also ein positives Jahresmotto für 2017 werden. Kitschige Motivationssprüche sind nämlich nicht so meins. Ich lache lieber, auch bitter, wenn der Anlass es erfordert. Und nehme gern schräge Carpe-Diem-Varianten wie „Nobody kehrs“. Dieses Lettering war 2016 mein meistgelikter Post auf Instagram.

U für die #letterattackchallenge #lettering #brushlettering #alliteration

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Kommt schwungvoll ins neue Jahr und lasst es euch so gut gehen, wie es eben geht!

Und wenn ihr mögt, lasst mich hier wissen, wie ihr euch euer 2017 wünscht. Was braucht es, damit ihr am Ende sagen könnt, es war ein gutes Jahr?

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