Eine Frau räumt auf: Ordnungsfee Jennifer Schlichting

Porträtfoto Jennifer Schlichting

Für viele ist es ein notwendiges Übel, für manche ein Lebenstraum: Aufräumen. Jennifer Schlichting macht das jetzt sogar zu ihrem Beruf. Als „Die Ordnungsfee“ sagt sie dem alltäglichen Chaos in Büros und Haushalten den Kampf an. Ein klarer Fall für meine neun neugierigen Fragen!

Offenheit für Neues scheint Jenny ebenso im Blut zu liegen wie Hilfsbereitschaft und Präzision. Nicht nur bot sie mir neulich eine Mitfahrgelegenheit zu einer Bloggerkonferenz an, ohne mich zu kennen. Sie rollte auch trotz längerer Anfahrt auf die Minute pünktlich mit ihrem Kombi am Treffpunkt an. Schon seit einigen Jahren bloggt Jenny unter Einfach und kreativ über DIY, Rezepte und Organizing. In ihren unterhaltsamen Aufräumvideos gibt sie nützliche Tipps und man erfährt auch einiges über die Frau hinter dem Blog und ihren Alltag. Jetzt hat die gelernte IT-Systemelektronikerin sich einen Traum erfüllt: Sie räumt richtig auf. Nicht mehr nur bei sich, sondern bei anderen. Als Dienstleisterin hilft sie beim Ausmisten und Einsortieren. Das kann ein einzelner Schrank, ein Dachboden oder ein ganzes Haus sein, je nach Bedarf und Budget. Als Ordnungscoach will Jenny außerdem Hilfe zur Selbsthilfe geben und spezielle Kurse anbieten. Und sich eines Tages hauptberuflich dem Aufräumen widmen.

1. Zwischen welchen Stühlen sitzt du?
Wie es vielleicht vielen geht, die sich nebenberuflich selbstständig machen, stehe ich genau zwischen den beiden Stühlen „Job, mit dem ich meine Miete bezahle“, und dem, was mir persönlich wirklich Spaß macht. Ich möchte so viel Zeit wie eben möglich mit dem verbringen, was mir Spaß macht, nämlich dem Ordnen und Organisieren. Aber natürlich darf mein „Hauptjob“ und die Familie auch nicht zu kurz kommen. Eigentlich sind es somit viel mehr als nur zwei Stühle, zwischen denen ich jonglieren muss bzw. zwischen denen ich das passende Gleichgewicht schaffen muss.

2. Wie erlebst du diese Position?
Manchmal finde ich es nicht einfach, die Balance zu halten. Es gibt einfach so vieles, was ich mir vorgenommen habe. Ich möchte gerne meinen Blog regelmäßig mit neuen Inhalten füllen und mit „Die Ordnungsfee“ anderen Menschen helfen, mehr Ordnung in ihrem Zuhause zu schaffen. Dazu gehört auch das Schreiben eines Self-Coaching-Programms und Kurse, die ich in der VHS anbieten möchte. Diese ganzen Dinge schlummern schon seit 6 Jahren in meinem Kopf und möchten alle am besten auf einmal raus. Dass das nicht möglich ist, wird mir zwischenzeitlich immer mal wieder klar, wenn ich merke, dass andere Dinge zu lange auf der Strecke liegen geblieben sind.

3. Was hat dich in letzter Zeit „vom Stuhl gehauen“?
Richtig vom Stuhl gehauen hat mich die Unterstützung, die ich von meiner Familie und meinen Freunden erfahre, im Bezug auf mein Projekt. Der Start ist, wie bei wahrscheinlich vielen Dingen, erst einmal schwer, weil viel Arbeit und Zeit hineingesteckt werden muss. Besonders meine Familie und mein Freund halten mir da den Rücken frei, unterstützen, wo sie können und machen mir auch immer wieder Mut. Von meinen Freunden bekomme ich auch immer wieder positives Feedback, was mich darin bestätigt, weiter zu machen. Für jemanden, der sich so lange vor diesem Weg „gefürchtet“ hat, ist das eine wirklich sehr wertvolle Erfahrung.

4. Wo sitzt du zurzeit am liebsten?

Bootsteg mit Hund

Foto: Jennifer Schlichting

Im Auto. Klingt das ungewöhnlich? Vielleicht. Aber ich liebe es, mit dem Auto zu verreisen. Der Weg ist das Ziel. So sind wir, mein Freund, unser Hund und ich, vor kurzem einfach mal spontan übers Wochenende nach Dänemark gefahren und haben die Insel Fünen unsicher gemacht.
Uns fehlt leider noch ein Wohnwagen, nach dem wir zur Zeit Ausschau halten. Deswegen sind die Nächte im Kofferraum unseres Kombis natürlich nicht so bequem wie ein richtiges Bett. Aber ich liebe diese Freiheit, einfach da zu bleiben, wo es einem gerade gefällt, und die Gegend zu genießen. Und wenn man genug gesehen hat, fährt man einfach weiter zum nächsten Fleckchen, das einem gefällt.

5. Was bedeuten dir Möbelstücke und Einrichtungsgegenstände?

Antiker Tisch mit Schubladen und klappbarer Platte

Foto: Jennifer Schlichting

Hmm… das finde ich wirklich schwierig. Die meisten unserer Möbel haben wir gebraucht gekauft und selber verändert, restauriert oder daraus was komplett anderes gemacht. Einige Möbel haben wir sogar komplett selber gebaut, weil wir nichts gefunden hatten, das zur Einrichtung passt. Naja, zumindest nichts zu einem angemessenen Preis.
Insofern kann ich schon sagen, dass mir zumindest einige unserer Einrichtungsgegenstände viel bedeuten, weil viel Arbeit und Mühe darin steckt und eben alles nach unseren Vorstellungen selbstgemacht ist. Viele Stücke sind somit Unikate, die wir so nie wieder bekommen würden.
Besonders viel bedeutet mir aber mein Wohnzimmertisch. Es ist ein wirklich alter und rustikaler Tisch, der schon knapp 200 Jahre auf dem Buckel hat. Das sieht man ihm auch an. Aber er war das erste Möbelstück, das ich nach einer wirklich sehr schweren Zeit in meine neue Wohnung stellen konnte. Er war ein Geschenk und erinnert mich immer wieder daran, was ich überstanden habe und dass es auch Menschen gibt, die einem in schweren Situationen helfen, obwohl man sie nicht kennt. Genau deshalb darf dieser total zerkratzte und vermackte Tisch auch nicht restauriert oder verändert werden.

6. Wer und wo warst du, als du halb so alt warst wie heute?
Oh, da war ich gerade in der Ausbildung zur IT-Systemelektronikerin. Ein Mädchen in einem Jungsberuf, wie man so schön sagt. Ich war die einzige Frau unter 80 Azubis in der Ausbildungswerkstatt. War nicht immer leicht, vor allem, weil ich keine Ahnung von irgendwelchen IT-Systemen hatte und meine Kollegen schon ziemlich großes Vorwissen.

7. Wo willst du in fünf Jahren sitzen?
Zuhause mit Mann, Hund und einem Kind. Und ich wünsche mir, dass mein kleines Unternehmen bis dahin ordentlich Früchte trägt und ich vielen Menschen schon geholfen habe.

8. Welche drei Plätze im Netz suchst du gerne auf und warum?
Pinterest. Dabei muss ich aber immer aufpassen, dass ich dort nicht zu viel Zeit verschwende. Ich liebe es, mir die vielen tollen Bilder zu einem bestimmten Thema, nach dem ich suche, anzusehen. Das inspiriert und motiviert mich.
Facebook. Ich mag die kleinen Videos, die mittlerweile immer mehr auf dieser Plattform geteilt werden, und kommuniziere darüber viel mit Freunden, die nicht gerade ums Eck wohnen.
Youtube. Ich liebe es, mir Rezeptvideos anzuschauen. Die machen meist richtig Lust aufs Kochen, Backen und Ausprobieren.

9. Zum Abschluss: Welche drei Hashtags beschreiben dich aktuell am besten?
#glücklich #neueswagen #träumeverwirklichen

Danke, liebe Jenny! Wenn du mal in Bremen einen VHS-Kurs als Ordnungsfee gibst, bin ich auf jeden Fall dabei. Und bis dahin kann ich – und könnt ihr alle – euch schonmal eins von Jennys Aufräumvideos auf Youtube ansehen. Da bekommt ihr zum Beispiel Tipps, wie ihr einen absolut chaotischen Tupperdosen-Plastikkram-Schrank besser organisiert. Und falls ihr so etwas nicht habt: Das Prinzip lässt sich bestimmt auch auf Büroschränke anwenden!

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