Dein Truck und du – 10 Tipps für Wohnmobil-Newbies

Illustration Wohnmobil in den Bergen/ 10 Tipps für Wohnmobil-Newsbies

Meine alte Freundin Kanada feierte am 1. Juli 2017 ihren 150. Geburtstag. Da ich unbedingt dabei sein wollte, brach ich Ende Juni mit meiner Familie zu einer Expedition durch den kanadischen Westen auf. Wie vermutlich Tausende deutscher Touristen jedes Jahr hatten wir todesmutig ein 10 Meter langes Wohnmobil gebucht (O-Ton Reisebüro: „Nehmen Sie ein großes, sonst brauchen Sie keinen gemeinsamen Rückflug!“). Was für ein Abenteuer! Das Reisen im mobilen Ferienhaus hat mich begeistert (Freiheit! Berge! Meer! Bären! Murmeltiere! Adler!), täglich gefordert und manchmal genervt. Hier sind zehn Wohnmobil-Tipps, die ich von meinem Trucker-Auslandspraktikum mitgebracht habe.

Tipp 1: Such dir das richtige Land aus!
Für den Anfang empfehle ich ein Land mit einer toleranten Bevölkerung, in dem man rechts fährt, das über breite Straßen und wenig mittelalterliche Innenstädte verfügt und in dem man Geschwindigkeit in km/h und Fahrzeugabmessungen auf Schildern in Metern angibt. (Ein Ahornblatt in der Landesfahne ist schön, aber kein Muss.)

Tipp 2: Trau dich was!
In Nordamerika darfst du mit einem normalen Führerschein Klasse B Fahrzeuge mieten (und fahren!), für die du hierzulande einen LKW-Führerschein brauchst, wenn du über 50 bist und/ oder deinen Führerschein nach 1999 gemacht hast. Eine Rundumversicherung hilft dir bestimmt über die erste Scheu hinweg. Reichlich Fahrpraxis im „kleinen“ Auto und ein gewisses Maß an Vernunft schaden auch nicht.

Tipp 3: Hör aufmerksam zu!
Gute Wohnmobilvermieter nehmen sich viel Zeit, um Neulinge in die Geheimnisse dieser Fahrzeuge einzuweihen. Es gibt da eine ganze Menge Schläuche, Klappen und Schalter, deren Funktion man unterwegs kennen sollte. Fast wie in einem Raumschiff! Merk dir auch gut, wo die Versicherungsdokumente verstaut sind, damit du sie unter Schock schnell findest. Wenn du die Landessprache gut genug beherrschst, lass dir die Einführung in selbiger geben. Dann hast du im Ernstfall in der Werkstatt gleich das passende Vokabular zur Hand.

Tipp 4: Gönn dir eine frühe Übernahme!
Je nachdem, von wo du startest, treibt dich möglicherweise der Jetlag gegen fünf aus dem Bett. So bleibt am ersten Tag mit dem Wohnmobil viel Zeit für einen Besuch beim Supermarkt. Es muss aber so ein riesengroßer auf der grünen Wiese sein, mit Teststrecken aka Parkplätzen. Erstens musst du den großen Kühlschrank und die Vorratsschränke mit irgendwas füllen. Zweitens kannst du vorsichtig üben, wie man mit einem unübersichtlich langen Fahrzeug Kurven nimmt und rückwärts fährt. Das gezielte Einparken am ersten Campingplatz fällt nach diesem Training deutlich leichter! (Man muss da ziemlich genau die Wasser-/Stromanschlüsse „treffen“, ohne sie umzulegen.)

Tipp 5: Konzentrier dich beim Einkaufen!
Wenn dir erst beim Kochen auf dem Naturcampingplatz im Gebirge einfällt, dass du die Eier vergessen hast, musst du das ganze Wohnmobil aufräumen, um nochmal loszufahren. (Oder was anderes essen.)

Tipp 6: Nutz den ganzen Stauraum!
In einem gut ausgebauten Wohnmobil ist jeder Hohlraum genutzt. Staufächer befinden sich innen und außen am Fahrzeug. Verteil deine Habseligkeiten möglichst weiträumig. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass am Ende etwas liegenbleibt. (Wobei man Taucherbrillen ja sowieso ab und zu mal austauschen sollte.) Fun fact: In der obersten Küchenschublade bildet sich fast sofort ein Biotop aus Gummiringen, Kugelschreibern, Taschenlampen, Spielkarten usw.

Tipp 7: Füll den Wassertank!
Wann immer es geht. Du willst ja nicht, dass er ausgerechnet dann leer wird, wenn dein Anschluss ans lokale Wassernetz nur einen Springbrunnen für die Nachbarn produziert. Oder wenn auf einem Stellplatz ohne eigenen Wasserhahn die nächste Zapfstelle einen langen Fußmarsch entfernt ist. (7.a: Leere den Abwassertank. 7.b.: Lade deine Elektronikgeräte während der Fahrt auf.)

Tipp 8: Merk dir die Abmessungen deines Fahrzeugs!
Du wirst immer mal wieder danach gefragt (z. B. beim Fährticketkauf). Falls dein Fahrzeug Slide-Outs hat (eine Art Schubladen, die man am Stellplatz ausfährt, damit der Innenraum größer wird), schau dir mal an, wie breit die sind. Dann wunderst du dich nicht so sehr über das (freundliche) Hupkonzert, das einsetzt, wenn du mal ganz schnell aufbrechen willst und in voller Pracht auf eine Hauptstraße fährst. (Das Einfahren auf Knopfdruck erfordert zum Glück nur ein paar Sekunden, aber das ganz besondere Verkehrshindernis-Feeling hält noch lange an.)

Tipp 9: Sei flexibel!
Es kann passieren, dass du auf eine Sehenswürdigkeit oder einen attraktiven Fotostopp verzichten musst, weil es zum Beispiel im Gebirge einfach keine Stelle gibt, wo du dein Fahrzeug abstellen kannst. Oder keine Straße, die du befahren darfst (s. Tipp 8).

Tipp 10: Don’t worry, be happy!
Im Wohnmobil unterwegs zu sein ist eine großartige (und ziemlich luxuriöse) Möglichkeit, mit der Familie ein Land zu erkunden und kleine Abenteuer in der Natur zu erleben. Je älter und zahlreicher die Kinder sind, desto größer müssen eben Fahrzeug und Abenteuerlust der Eltern dimensioniert sein.

Zum Nachschauen: Wir hatten unser Wohnmobil über TUI bzw. Fraserway gemietet. Es war so groß wie das hier, allerdings etwas anders ausgebaut und eingerichtet.

Geparktes Wohnmobil auf einem Stellplatz im Wald

R.V. Campground am Mount Robson/ British Columbia

2 Kommentare

  1. Hallo Johanna,

    wir waren nur zu dritt in Vancouver Island mit dem Wohnmobil unterwegs, aber ich kann Deine Empfehlungen nur teilen. Wenn man alles richtig macht ist so eine Reise einfach genial und für die Kinder ein richtiges Abenteuer.

    Gut ist es auch, die Höhe im Blick zu behalten. Bei einer anderen Tour haben wir bei einer Unterführung ein Dach mit Blechlamellen nicht richtig eingeschätzt ;-))

    • Oh ja, man unterschätzt leicht auch die Höhe, gerne im Wald unter herabhängenden Ästen. 😉 Wir haben oft gestaunt, wie geschmeidig einige Fahrer mit noch viel größeren RVs unterwegs waren, manchmal noch mit Kleinwagen hinten dran. Das sind dann aber routinierte Camper, keine Mietwagenfahrer. Liebe Grüße!

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