Zwischen Lachen und Weinen: über Sabine Dinkels Arschbomben-Comic-Krebstagebuch

Lachendes und weinendes Gesicht neben Buchcover Meine Arschbombe von Sabine Dinkel

Auf dem Titel sieht man sie fallen und erkennt an ihrem Gesichtsausdruck: Freiwillig ist sie nicht gesprungen. Meine Arschbombe in die Untiefen des Lebens ist Sabine Dinkels schwarzlustiges Comic-Tagebuch von der anderen Seite des Grabens.

„Das Leben von Krebspatienten und anderen chronisch Erkrankten und ‚Gesunden‘ trennen Welten. Dazwischen liegt ein großer Graben. Und ich bin eine von denen, die nie mehr auf die Seite der Gesunden kommt“, musste Sabine Dinkel irgendwann feststellen. Und diesen Graben zu überwinden trauen sich offenbar nicht viele. Die Autorin tut einiges dafür, dass die Hemmschwelle zumindet etwas niedriger wird! Mit ihrer drastische Sprache, ihrem schwarzen Humor und kleinen Cartoons schildert sie eindringlich die ersten 15 Monate ihrer Erkrankung, den Kampf gegen die Schnieptröte mit allen Höhen und Tiefen. Was jetzt als Buch erschienen ist, war ursprünglich ein Facebook-Album mit Zeichnung und Texten. Damit hielt Sabine Dinkel zunächst ihre Freunde auf dem Laufenden darüber, wie es ihr nach ihrer „Kackdiagnose Eierstockkrebs“ erging. Und traf mit ihrer frechen Ausdrucksform offenbar einen Nerv. Man ermunterte sie, ihre Bilder und Stories auch öffentlich zu zeigen – nach dem Motto „Krebs ist, wenn man trotzdem lacht“. Und so entdeckte auch ich sie auf Instagram. Sie und ihre heldenhaften Bassethündinnen Wilma und Frieda (Hashtag #bassetismus) sind vermutlich der Grund dafür, dass der Insta-Algorithmus mir regelmäßig Werbung für Hundeprodukte ausspielt.

Dieses Jahr nun machte Sabine Dinkel sich mit einem Blogbeitrag auf die Suche nach einem Verleger für ihr Comic-Tagebuch. Denn schließlich will frau ja auch nach mehreren Schorletherapien ihren Lebensunterhalt als Freiberuflerin bestreiten können. Einen Ratgeber für Hochsensible und einen für Krebspatienten hatte sie bereits erfolgreich veröffentlicht. Mit dem neuen Independent-Verlag Hawewe fand sich schnell ein Partner. Nach wenigen Wochen konnte man das Buch vorbestellen und Anfang November hatte ich es im Briefkasten. Wirklich schön gemacht! Die harte Kost, die Sabine Dinkel ihren Leserinnen und Lesern serviert, ist in lesbare, beinahe appetitliche Häppchen aus Kurzcomics und Tagebuchnotizen portioniert. Über das ursprüngliche Tagebuch hinaus enthält es sechzig neue Zeichnungen und zusätzliche Texte rund um Katastrophen und Glücksmomente. Ja, auch die gibt es, und gar nicht wenige!

Schnieptröte, Energiewichtel, Appetitwichtel, die Wahl der richtigen Perücke, Blitzdiät durch Bauchpunktion, Frühgymnastik in der Prostatagruppe, die Onkologenkonferenz und schließlich der Besuch beim Papst – man mag das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen, folgt der Autorin von Station zu Station, stürzt mit ihr in unerwartete Abgründe ihrer fiesen Krankheit und erlebt dramatische Wendungen hautnah mit. „Ich weiß ja nicht, wer im Hause Dinkel die Drehbücher schreibt, aber derjenige hat auf jeden Fall zu viele B- und C-Movies geguckt und gehört in den Karzer!“, befindet Sabine Dinkel gegen Ende ihres Tagebuchs. Da wird ihr wohl niemand widersprechen.

Sabine Dinkel, Meine Arschbombe in die Untiefen des Lebens. Comic-Tagebuch einer Krebserkrankung, Hawewe Verlag 2018, 196 Seiten, 24,95 EUR [D] | 25,70 EUR [A], als E-Book (PDF) 19,95 EUR

Disclaimer: Ich schreibe diesen Beitrag unaufgefordert und unbezahlt, weil ich das Buch und das Anliegen von Sabine Dinkel großartig finde. Ich habe mir mein Exemplar selbst gekauft und das Cover für mein Titelbild eigenhändig abfotografiert. Wenn ihr Innenseiten sehen möchtet, kauft euch unbedingt das Buch!

2 Kommentare

  1. Hach, ist das ein schöner #glückspeng-Beitrag, so schön geschrieben! Deine Zeichnung dazu ist so goldig!

    Hab ganz herzlichen Dank dafür. Ich freue mich sehr darüber.

    Herzliche Grüße
    Sabine

    • Es ist einfach ein tolles Buch, liebe Sabine! Hoffentlich wagen noch ganz viele den Blick hinein und über den beschriebenen „Graben“, auch wenn sie (noch?) nicht von dieser Scheißkrankheit betroffen sind. Alles Liebe, Johanna

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